Drinks, Dinnerpartys, kategorischer Imperativ – Das geheime Leben des Immanuel Kant
Kants letzte Worte waren „Es ist gut.“ So ist auch sein erstes Museum geworden, das jetzt in Lüneburg eröffnet – und das Klischee vom weltfremden Griesgram entlarvt.
Nie war er so wertvoll wie heute. Denn noch in keiner Zeit seit dem Ableben Immanuel Kants war Aufklärung so bedroht wie jetzt. Schließlich gibt es immer mehr Machenschaften, um sie zu beseitigen. Und Instrumente, um ihr die Arbeit abzunehmen. Denn was auch immer der größte Philosoph der Neuzeit zur praktischen Vernunft, zu Moral und Ethik, zur Freiheit des Individuums zu sagen hatte: Er appellierte an den Einzelnen. Die lateinische Losung „sapere aude“ übersetzte er nicht von ungefähr mit „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Und Aufklärung definierte er als Anstrengung des Menschen, sich aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu befreien. Also nix Gesellschaft, nix Vater Staat, nix Gleichstellungsbeauftragte, nix Antidiskriminierungsbehörde: DU bist es, der für dich verantwortlich ist.
Das macht den Mann aus Königsberg, den kein noch so lukrativer Ruf an eine andere Universität aus jener Stadt weglocken konnte, in der er 1724 geboren wurde und 1804 starb, so aktuell. Das macht ihn auch so streitbar. Und ja, er stammt aus Königsberg. Kant hat die Hauptstadt der „Provinz Ostpreußen“ zu einem place to be für europäische Intellektuelle aus aller Welt gemacht. Denn vor allem in seinen späten Jahren genoss er dort den Status eines Wundertiers, das man gesehen haben musste. Das allein schon zog wissbegierige Menschen in diesen äußersten Winkel des Reiches.
Doch umgekehrt wird gleichfalls ein Schuh draus: Königsberg hat auch Kant gemacht. Das Wissen darum ist im Zuge einer nostalgischen Ostpreußen-Verklärung durch Heimwehtouristen, die es eher in die masurischen Wälder oder auf die Dörfer zieht, verloren gegangen. Aber Königsberg steht durchaus für das, was Thomas Mann auch in seiner Geburtsstadt Lübeck ausmachte: Königsberg steht für eine geistige Lebensform.

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